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Am 14. Mai hat der Landkreis den Abschlussbericht einer Untersuchung der „Energie- und C02-Bilanz des LK Fürstenfeldbruck für das Jahr 2015“ der Öffentlichkeit vorgestellt.

Danach konnte die Stromerzeugung sowohl aus Photovoltaik (PV) als auch aus Biomasse zwischen 2010 und 2015 ungefähr verdoppelt werden. Im Jahr 2015 konnten 26 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Energieanlagen im Landkreis (Photovoltaik, Wind, Wasserkraft und Biomasse) gedeckt werden.

Trotzdem stiegen in den letzten 5 Jahren die  CO2-Emissionen im Landkreis um 4,7 Prozent auf knapp 1,5 Millionen Tonnen im Jahr 2015. „Wegen des Zuwachses der Bevölkerung und Beschäftigten im Landkreis“ blieben die Pro-Kopf-CO2-Emissionen mit 6,9 t CO2/EW in etwa gleich. Die Verbesserung der C02-Emissionen aus Strom, Gas und Heizöl um 0,2 Tonnen je Einwohner*in wurden wieder aufgefressen von einer Erhöhung von 0,22 Tonnen CO2 pro Kopf des Kraftstoffverbrauchs, vor allem aus Diesel!

Für die Erreichung des gesetzlichen Minderungsziels für Deutschland bis 2030 von 55 Prozent der Treibhausgas-Emissionen gegenüber 1990 müssten die CO2-Emissionen aus dem Jahr 2015 in allen Kommunen des Landkreises um durchschnittlich mindestens 40 Prozent bis 2030 reduziert werden. Das entspricht einer Minderung des Landkreisdurchschnitts von 6,9 t CO2/EW (2015) auf unter 4,2 t CO2/EW (bis 2030). Dies wird ohne ein radikales Umsteuern nicht zu erreichen sein. Auch das selbst gesteckte Ziel, bis 2030 auf 100% erneuerbare Energien umzusteigen, ist mit einem Weiter-so in der Klimapolitik im Landkreis nicht zu schaffen.

Was ist die Ursache für den offensichtlichen Stillstand bei Klimaschutz und Energiewende?

Es fehlen ambitionierte bundes- und landespolitische Ziele. So wird aktuell der Kohleausstieg viel zu schleppend angegangen und die Abkehr vom Verbrennungsmotor wird verschlafen. Es fehlt eine  verstärkte Förderung  des Einsatzes von Elektrofahrzeugen sowie im ÖPNV die Förderung des Einsatzes von Elektrobussen. In Bayern  hat der Windrad-Erlass mit der  10H- Regelung praktisch zum Stillstand beim Ausbau der Windkraft geführt. Der Hinweis auf die Planungshoheit der Gemeinden mit der Möglichkeit von der Regelung abzuweichen ist erwähnenswert. Aber letztendlich werden Privatinvestoren und Bürger-Kooperationen keine Windräder errichten. Denn sie müssen befürchten, beim Scheitern der Planung auf ihren kostenintensiven Vorleistungen  für Gutachten etc. sitzen zu bleiben.

Der Landkreis Fürstenfeldbruck hat in den vergangenen Jahren mit 80 Projekten umfangreiche Ziele und Aufgaben zum Klimaschutz festgelegt. Diese stehen aber nur auf dem Papier und wurden größtenteils nicht umgesetzt. So warten die Gemeinden des Landkreises seit zwei Jahren  auf die Erstellung eines Solarkatasters, um die Potentiale für PV-Anlagen zu erfassen. Der Aufbau einer landkreisweiten Energieagentur, wie sie schon in anderen Landkreisen erfolgreich arbeiten, ist eines der dringendsten Aufgaben, die vom Landkreis auch personell und finanziell ausgestattet werden müssen. Die Stadt Haßfurt macht es vor: Bei gutem Willen ist das Ziel des Umstiegs auf 100 % erneuerbare Energie zu erreichen!

Im Bereich Verkehr wurde das Bussystem im Landkreis weiter ausgebaut, aber es fehlt bis heute z.B. ein Plan und Konzept zur Umstellung auf Elektrobusse. Das MVV-Tarifsystem ist leider nicht attraktiv, wenn z.B. für eine Hin- und Rückfahrt von Grafrath nach Fürstenfeldbruck oder von Emmering nach Olching mehr als 5 Euro zu zahlen sind.

Verbesserungen für den S-Bahn-Verkehr mit kürzeren Taktzeiten werden auf einer der Hauptstrecken des Landkreises, Geltendorf-München seit 20 Jahren versprochen aber immer wieder verschoben.

Landrat Karmasins Forderung: „Keine neue Wohnung ohne neuen Arbeitsplatz, damit die Fahrerei nach München aufhört“ ist sicher kein durchführbarer Weg zur Lösung der drängenden Verkehrs- und Klima-Probleme im Landkreis. Das ist für alle Pendler*innen, die im Stau nach München auf der B471 an den riesigen Logistikzentren vorbeischleichen sehr gut sehen: Riesige Lagerhallen für Waren bringen nur wenige Arbeitsplätze, aber fressen Grünflächen. Die Wohnungsnot in München zwingt viele Menschen, die in München arbeiten, zum Umzug ins Umland. Die können ihren Arbeitsplatz aber nicht mitnehmen. Hier braucht es – neben einer weitsichtigen Struktur- und Netzpolitik – neue Ideen bei der sensiblen Verdichtung der Wohnbebauung mit guter Anbindung an Fuß-, Rad- und öffentliche Verkehrswege. Maßnahmen zur Abkehr vom motorisierten Individualverkehr sind dringend notwendig!