Würden Sie das essen? – Genuss aus der Tonne

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Vor einigen Wochen zeigte sich die Grüne Jugend solidarisch mit vier wegen „containern“ angezeigten Jugendlichen in Germering, um auf den hierzulande herrschenden dekadenten Umgang mit Lebensmitteln aufmerksam zu machen.
Wir nahmen diesen Vorfall zum Anlass, eine andere Gruppe von „Mülltauchern“ bei ihrem nächtlichen Treiben zu begleiten und die Ausbeute an verzehrbaren Lebensmittelabfällen zu dokumentieren. Über die Frage, ob Sie die gezeigten Nahrungsmittel noch essen würden, entscheiden Sie bitte selbst.

Fakt ist aber, dass jedes Jahr etwa 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll enden – und das überwiegend noch bevor sie als Mahlzeit zubereitet wurden.
Dabei gelangen viele Produkte zwar gar nicht erst in die Supermarktregale, sondern werden bereits während der Ernte aussortiert oder verderben auf den langen Transportwegen. Der Großteil der Abfälle fällt mit rund 61% jedoch nicht in der Lebensmittelindustrie, sondern in den privaten Haushalten an, wie eine Studie der Universität Stuttgart zeigt.

Die Grüne Jugend sieht einen entscheidenden Grund für diese Misswirtschaft in der mangelnden Aufklärung bezüglich des Unterschiedes zwischen Mindesthaltbarkeits- und Verzehrdatum. Viele Verbraucher sind sich nicht bewusst, dass das Verfallsdatum lediglich eine Garantie des Herstellers auf beste Qualität angibt und Lebensmittel oft noch Wochen nach dessen Ablauf genießbar sind.

Des Weiteren sehen wir ein großes Problem in den häufig unrealistisch hohen Ansprüchen vieler Verbraucher. Die meisten Lebensmittel werden in der Landwirtschaft und im Einzelhandel nicht entsorgt, weil sie ungenießbar sind, sondern weil sie nicht den erforderlichen optischen Kriterien entsprechen und sich daher schlecht verkaufen. Dabei sind eine etwas fleckige Banane oder eine
unregelmäßig geformte Gurke im Hinblick auf Geschmack und Nährwert ebenso gut wie ihre optisch ansprechenderen Äquivalente.

Insgesamt stellt dieses Verhalten nicht nur eine finanzielle
Ressourcenverschwendung (21,6 Milliarden Euro entfallen jährlich auf die vermeidbare Entsorgung von Nahrungsmitteln) dar, sondern in erster Linie auch eine ökologische: Die industrielle Landwirtschaft verbraucht enorme Mengen an Wasser – und das obwohl schon heute in einigen Regionen der Erde Kriege um Trinkwasserreserven geführt werden. Die Massentierhaltung führt zu einem
überproportionalen Verbrauch an Getreide und Sojabohnen, welche vorwiegend im schwindenden tropischen Regenwald angebaut werden – ganz zu schweigen vom Leid unzähliger Tiere. Der Kühltransport exotischer Früchte verursacht die Emission großer Mengen Treibhausgase, die die globale Erwärmung beschleunigen. Und nicht zuletzt muss weltweit etwa alle drei Sekunden ein
Mensch an Unterernährung sterben, während in den Industrieländern absolut genießbare Lebensmittel in industriellem Maßstab vernichtet werden.

Diese Handlungsweise muss ein Ende finden. Als Verbraucher hat jeder von uns die Macht, durch die eigene Nachfrage das Angebot zu bestimmen. Wir rufen daher jeden dazu auf, vorwiegend regionale Produkte zu kaufen, um unnötige Verluste auf Transportwegen zu vermeiden. Außerdem müssen wir wieder lernen, die Genießbarkeit eines Produktes selbstständig zu beurteilen ohne auf Verfallsdaten oder die Vorselektion anhand willkürlicher Kriterien angewiesen zu sein.
Die Grüne Jugend unterstützt somit eine kritische Reflexion über die täglichen Kaufentscheidungen. Mit minimalem Mehraufwand kann so jeder von uns die Welt ein Stück ökologischer und gerechter machen. Denken Sie also darüber nach: Würden Sie das noch essen?