Brucker Grüne mahnen zu fairer Beratung statt einseitiger Werbung: Energieversorger müssen Heizungsoptionen transparent darstellen

Der Kreisverband BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN fordert die regionalen Energieversorger auf, Bürgerinnen und Bürger umfassend und transparent über die Vor- und Nachteile verschiedener Heizsysteme zu informieren. Wer heute in eine neue Heizung investiert, trifft eine Entscheidung für die nächsten 20 bis 30 Jahre. Unabhängige Fachleute warnen inzwischen vor unabsehbaren finanziellen Risiken. Ein Werbebrief der Energienetze Bayern GmbH an alle private Gaskundinnen und -kunden im Mai 2026 in Türkenfeldunterstrich hingegen: „Das Wichtigste: Der Einbau und der Betrieb einer Gasheizung sind im Rahmen der aktuellen gesetzlichen Vorgaben auch weiterhin ohne Problem möglich!“ Auf den verlinkten Detailinformationen wird ausschließlich auf Gas verwiesen und ausgeführt, dass die Auswirkungen der neuen „Biotreppe“ durch die Einführung des Gebäudemodernisierungsgesetzes abzuwarten bleiben, sich aber die Anforderungen vermindern. Nicht erwähnt wird, dass absehbar die notwendigen Biomethan-Mengen nicht verfügbar sein werden. Es wird bewusst der irreführende Eindruck erweckt, der Einbau einer neuen Gasheizung sei auch langfristig eine sichere und wirtschaftliche Entscheidung. 

Wie BR24 kürzlich berichtet, sehen Energieexpertinnen und -experten des DIW und des Fraunhofer Instituts beim Einbau neuer Gasheizungen jedoch erhebliche wirtschaftliche Risiken. Neben steigenden CO₂-Preisen und den voraussichtlich höheren Kosten für erneuerbare Gase wird insbesondere darauf hingewiesen, dass der Rückgang der Gasanschlüsse zu steigenden Netzentgelten für die verbleibenden Kundinnen und Kunden führen kann. Die langfristigen Folgekosten einer heute eingebauten Gasheizung werden deshalb häufig unterschätzt. Laut Experten des Fraunhofer Instituts werden die Preise zunächst steigen. Spätestens 2045 werden Energieversorger „unter realistischen Bedingungen“ keine wettbewerbsfähigen Gaspreise mehr anbieten können und Gasnetze bis dahin „aller Wahrscheinlichkeit nach“ stilllegen. Selbst die Bundesregierung kann die konkreten Auswirkungen des neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) auf die Kosten für Verbraucherinnen und Verbraucher und damit die finanziellen Risiken nicht abschätzen wie eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN (BT-Drucksache 21/4709) ergab.  

BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN betonen, dass jede Hauseigentümerin und jeder Hauseigentümer die für die individuelle Situation passende Heizlösung wählen sollte. Voraussetzung dafür ist jedoch eine transparente Entscheidungsgrundlage für alle Lösungsmöglichkeiten mit Informationen über Investitionskosten ebenso wie über Betriebskosten, Fördermöglichkeiten, CO₂-Bepreisung, die Entwicklung der Energieträgerpreise sowie die langfristige Perspektive der jeweiligen Versorgungsinfrastruktur.

„Energieversorger genießen bei vielen Menschen großes Vertrauen. Wir appellieren an die Energieversorger, mit diesem Vertrauen verantwortlich umzugehen“, so Kreisvorsitzende Tine Messerschmidt.

„Wer Bürgerinnen und Bürger zu Investitionen in fünfstelliger Höhe bewegen möchte, muss insbesondere die wirtschaftlichen und regulatorischen Risiken unterstreichen. Eine besonders umfassende, sorgfältige und ausgewogene Beratung ist unverzichtbar.“ erläutert Kreisvorsitzender Rainer Husmann.

Die Grünen in Türkenfeld haben auf das Schreiben der Energienetze Bayern GmbH mit einer fundierten öffentlichen Stellungnahme reagiert und die wirtschaftlichen Risiken dargestellt. Diese verantwortungsvolle Verbraucherinformation unterstützt der Kreisverband ausdrücklich. 

Fürstenfeldbruck, 30. Juli 2026