35 Werke von Michael Gumtau in Fürstenfeldbruck – eine Ausstellung über Vergänglichkeit, Erinnerungen und die kleinen Bühnen des Lebens
Tee oder Kaffee? Die Entscheidung klingt alltäglich – und wird doch zum Ausgangspunkt für eine ungewöhnliche Begegnung mit der Zeit. Im Schaufenster von „Dein Raum“ in der Pucher Straße 3 in Fürstenfeldbruck stehen sich ein alter, bauchiger Samowar und eine moderne Edelstahl-Kaffeekanne gegenüber. Dazwischen: eine kleine Hotelklingel. Vergangenheit oder Gegenwart? Ritual oder To-go? Schon dieses Schaufenster macht neugierig auf eine Ausstellung, in der Alltagsgegenstände plötzlich von Vergänglichkeit, Erinnerung und Lebenszeit erzählen.
Gumtau ist Autodidakt, seit Jahrzehnten kulturell engagiert und als ehemaliger Lokalpolitiker im Landkreis bekannt. Seine Kunst entsteht häufig aus Dingen, die andere längst übersehen haben: Fundstücke von Reisen, Flohmarktfunde, Gegenstände aus dem Alltag. Er setzt sie neu zusammen und schafft daraus kleine Bühnen, auf denen sich persönliche Erinnerungen und große gesellschaftliche Fragen begegnen.
Im Zentrum der Ausstellung steht eine große gelbe Tafel, auf der sich echte Uhren, eine Vinyl-Schallplatte, ein Kompass und Augen begegnen. Dazu die Schriftzüge „Time present and Time past“ und „wo ist dein Stachel“. Das Werk wirkt zugleich wie eine Sammlung von Erinnerungsstücken und wie eine Frage an die Betrachtenden: Was bleibt, wenn die Zeit vergeht? Und wo stehen wir selbst in diesem Strom?
Gumtaus Collagen und Assemblagen greifen auch aktuelle politische Themen auf. „Schattenflotte“ und „Iron Dome“ verbinden Fundstücke und Bildwelten zu Arbeiten, die von Krieg, Bedrohung und politischer Gegenwart erzählen. In „Big Brother is watching you“ wird ein Architekturfoto aus Tirana zum irritierenden Gegenüber: Balkone formen dort das Profil eines riesigen Gesichts – als würde die Architektur selbst beobachten.
Auch in Gumtaus abstrakten Gemälden spielt die Zeit eine wichtige Rolle. Tiefes Blau, Grau und Grün bestimmen viele der Arbeiten. Immer wieder aber bricht ein intensives Gelb durch die dunkleren Flächen: als tropfende Blume, als flackernde Flamme über dem Meer oder als schmaler Streifen am Horizont.
„Tee oder Kaffee“ ist mehr als eine Ausstellung über die Zeit. Sie lädt dazu ein, genauer hinzusehen: auf Gegenstände, die Geschichten erzählen, auf politische Wirklichkeit und auf die eigene Wahrnehmung von Vergänglichkeit.
Der Eintritt ist frei.