Erwin Huber, Mona Neubaur, Britta Jacob als Expertin aus der Verteidigungsindustrie und BMW-Chefvolkswirt Kai Fournell diskutieren über Wettbewerbsfähigkeit, Bürokratie und den Mut zu Innovationen.
Fürstenfeldbruck, 28. Oktober 2026. „Wir sind eine Vollkasko-Gesellschaft“ – mit dieser pointierten Diagnose brachte Nordrhein-Westfalens Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur bei der Bruck.Polit-Veranstaltung eine zentrale Herausforderung für Deutschlands wirtschaftliche Zukunft auf den Punkt: Innovation braucht Mut, Risikobereitschaft und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen.
Unter dem Titel „Wie schafft Deutschland den Aufschwung?“ diskutierten am 27. Oktober im Veranstaltungsforum Fürstenfeld Mona Neubaur (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN), der ehemalige bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU), Britta Jacob von ARX Robotics und Dr. Kai Fournell, Chefvolkswirt der BMW Group, über die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Moderiert wurde der Abend von den Kreisvorsitzenden Tine Messerschmidt und Rainer Husmann von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN, die Veranstalter des überparteilichen Debattenformats sind.
Einig waren sich die Podiumsgäste darin, dass Deutschland seine wirtschaftlichen Stärken konsequenter nutzen und bei Investitionen, Digitalisierung und neuen Technologien schneller vorankommen muss. Hohe Energiekosten, Fachkräftemangel, Bürokratie und geopolitische Veränderungen setzen den Standort unter Druck. Fournell brachte seine Kritik an versäumten Investitionen auf den Punkt: „Wir haben uns kaputtgespart.“ Deutschland müsse mehr in Infrastruktur, Bildung und Zukunftstechnologien investieren, statt auf überholte Erfolgsmodelle zu vertrauen. Sein eindringlicher Appell: „Die Welt wartet nicht auf uns.“
Auch Huber sieht die Notwendigkeit eines grundlegenden Kurswechsels: „Wir sind leider irgendwie veränderungsunwillig geworden.“ Es brauche mehr Tempo und gemeinsame Anstrengungen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zugleich warb er für eine neue Aufbruchstimmung und begrüßte ausdrücklich, dass die Grünen jetzt wirtschaftliches Wachstum ausdrücklich als Voraussetzung für die Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen betrachteten.
Britta Jacob schilderte am Beispiel des StartUp-Unternehmens ARX Robotics, wie neue Technologien schneller in die Anwendung gebracht werden können – etwa durch Kooperationen mit etablierten Industrieunternehmen. Gleichzeitig erschwerten langwierige Beschaffungsprozesse und eine geringe Risikobereitschaft die Skalierung innovativer Lösungen. „In Innovation per se, da ist per se eine Unsicherheit drin“, sagte Jacob. Man brauche den Staat als Ankerinvestor oder -kunde, um Kapital anwerben zu können. Jacob berichtete von ihren positiven Eindrücken beim „Invest in Germany-Summit“ der Bundesregierung. Sie lobte die Initiative, mit der die Bundesregierung internationale Investoren für den Standort Deutschland gewinnen und den Austausch zwischen Politik und Wirtschaft stärken wolle.
Neubaur verwies auf Deutschlands starke Forschungslandschaft, industrielle Kompetenz und gut ausgebildete Fachkräfte. Entscheidend sei, Forschung schneller in marktfähige Produkte zu überführen und neue Technologien in der Praxis zu erproben. Dafür brauche es sowohl verlässliche politische Rahmenbedingungen als auch die Bereitschaft, Fehler zuzulassen und aus ihnen zu lernen.
In der Diskussion wurde deutlich, dass wirtschaftlicher Aufbruch langfristige Planungssicherheit erfordert. Wechselnde politische Vorgaben können Investitionen erschweren. Neubaur sprach sich deshalb für Vereinbarungen aus, die auch über Regierungswechsel hinweg Bestand haben. Ihre Formel: „In den Farben getrennt, in der Sache vereint.“
Als Zukunftsfelder wurden unter anderem industrielle künstliche Intelligenz, Biotechnologie, Kreislaufwirtschaft und Verteidigungstechnologien diskutiert. Deutschland müsse seine Innovationskraft nutzen, Abhängigkeiten reduzieren und neue Entwicklungen schneller in industrielle Wertschöpfung übersetzen. Damit daraus wirtschaftlicher Aufschwung entsteht, braucht es mehr private Investitionen, weniger bürokratische Hürden und den Mut, Veränderungen zu wagen.„Deutschland muss wieder zuversichtlicher werden.“ unterstrich Huber.
Über Bruck.Polit – Lokal Global
Mit Bruck.Polit bringen die Grünen in Fürstenfeldbruck Menschen mit unterschiedlichen politischen Perspektiven zusammen, um aktuelle gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Herausforderungen zu diskutieren. Mehr Informationen unter: www.bruckpolit.de