Pressemitteilung: Menschen wollen arbeiten – doch im Landkreis Fürstenfeldbruckwerden Arbeitsgenehmigungen häufig abgelehnt

Fast doppelt so hohe Ablehnungsquote wie im Landkreis Ebersberg: Grüne fordern faire
und transparente Verfahren

Sie kommen mit Hoffnung auf ein neues Leben in Deutschland an. Mit dem Wunsch zu
arbeiten, sich etwas aufzubauen, Teil der Gesellschaft zu werden. Viele lernen Deutsch,
machen Praktika, absolvieren Qualifizierungen – und warten dann auf eine Entscheidung,
die über ihre Zukunft bestimmt. Doch im Landkreis Fürstenfeldbruck wird vergleichsweise
häufig „Nein“ gesagt. Der Landkreis Fürstenfeldbruck weist eine Ablehnungsquote von
14,3 Prozent auf, deutlich höher als der Landkreis Ebersberg mit 7,9 Prozent.

Ein aktuelles Gutachten der Universität Konstanz im Auftrag der Grünen Landtagsfraktion
wirft kritische Fragen zur Bewilligungspraxis von Arbeitsgenehmigungen in Bayern auf. Die
Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass hohe Ablehnungsquoten nur teilweise
durch die jeweilige Arbeitsmarktlage erklärbar sind. Stattdessen könnten auch lokale
Entscheidungspraktiken eine Rolle spielen. Diskriminierende Effekte können laut
Gutachten nicht ausgeschlossen werden.

“14,3 Prozent Ablehnungen sind aus meiner Sicht zu viel”, erklärt Kreisrätin Janine Beier-
Seifert (Bündnis 90/Die Grünen), Referentin für Integration und Migration im Landkreis
Fürstenfeldbruck: „ Hinter jeder Zahl steht ein Mensch mit Hoffnungen, Fähigkeiten und
dem Wunsch, Teil unserer Gesellschaft zu werden. Wer zu uns kommt, arbeiten möchte
und seinen Beitrag leisten will, sollte auf faire Verfahren und transparente Entscheidungen
vertrauen können.“

Die Ergebnisse des Gutachtens machten sie betroffen, sagt Beier-Seifert – auch weil sie
sich mit ihren eigenen Erfahrungen deckten. „Ich begleite seit Jahren Menschen auf ihrem
Weg in Ausbildung und Arbeit. Die meisten bringen Motivation, Qualifikation und den
festen Wunsch mit, sich hier eine Zukunft aufzubauen. Oft begleitet von der Angst: Reicht
mein Deutsch? Werde ich akzeptiert? Schaffe ich das?“

Die Studie empfiehlt unter anderem standardisierte Entscheidungsprozesse und mehr
Orientierung an Best-Practice-Beispielen. Zwar könne mit den vorhandenen Daten keine
individuelle Diskriminierung nachgewiesen werden, diskriminierende Entscheidungen
könnten aber auch nicht ausgeschlossen werden.

„Allein die Möglichkeit, dass Menschen mit vergleichbaren Voraussetzungen
unterschiedlich behandelt werden könnten, darf uns nicht egal sein“, so Beier-Seifert.
Gerade im Bereich der frühkindlichen Bildung erlebt die Pädagogin und Dozentin für die
Qualifizierung von Kita-Fachkräften täglich, wie wichtig Menschen mit internationaler
Geschichte für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sind. In vielen
Kindertageseinrichtungen des Landkreises arbeiten Menschen unterschiedlichster
Herkunft – als Brückenbauerinnen zwischen Familien, Kulturen und Lebenswelten.

„Besonders in Kitas, wo Demokratiebildung, Respekt und Teilhabe zu den Grundwerten
gehören, darf Ausgrenzung keinen Platz haben. Wer Kindern Offenheit und Vielfalt
vermittelt, muss diese Werte auch vorleben.”

Als positives Beispiel nennt Beier-Seifert die Arbeit der help4help GmbH in Mammendorf.
Dort werden Menschen mit internationaler Geschichte durch Beratung, Jobcoaching und
Qualifizierungsmaßnahmen unterstützt. Unter anderem finden dort Qualifizierungskurse
für Assistenz-, Ergänzungs- und Fachkräfte in bayerischen Kitas statt, die Beier-Seifert
selbst als Dozentin begleitet.

„Eine erfolgreiche Integrationspolitik beginnt nicht erst mit Sprachkursen oder
Qualifizierungen. Sie beginnt mit einer Haltung. Menschen, die mit Hoffnung zu uns
kommen, müssen erleben, dass sie willkommen sind, in unseren Behörden, an unseren
Arbeitsplätzen und in unserer Gesellschaft. Menschen, die arbeiten und sich einbringen
wollen, müssen auch die Chance dazu bekommen.“

Ronja von Wurmb-Seibel, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag, unterstützt Beier-
Seiferts Forderung: „Unternehmen hier vor Ort suchen händeringend nach Arbeitskräften.
Gleichzeitig erleben wir Menschen, die arbeiten wollen, sich qualifizieren und
Verantwortung übernehmen möchten, und deren Anträge abgelehnt werden. Wenn die
Chancen auf eine Arbeitsgenehmigung vom Wohnort oder von unterschiedlichen
Verwaltungspraxen abhängen, müssen wir genauer hinschauen. Unser Ziel muss sein,
dass Entscheidungen nachvollziehbar, fair und für alle Menschen gleich sind.“

Das Gutachten von Gerald Schneider (Universität Konstanz) und Constantin Wohlfart
untersucht die Ablehnungsquoten bei Arbeitsbewilligungen zwischen 2018 und 2024 auf
Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte. Analysiert wurden regionale Unterschiede
nach Branchen, Staatsangehörigkeit und Arbeitsmarktlage.